Die Biogurke im Plastikmantel

Viele Gründe sprechen dafür, auf Plastik zu verzichten, aber fast alles ist in Plastik verpackt -  teilweise sogar mehrfach. Wurst, Käse, Nudeln, Tofu, Müsli, Schokolade, Chips. Plastik ist ökonomisch gesehen eine praktische Verpackung, denn es wiegt weniger als Glas, ist einfach zu recyceln und schützt die Produkte besser als Karton. Trotzdem ist gerade bei Bio-Obst und Bio-Gemüse die Plastikverpackung besonders widersinnig. Warum gibt es sie eigentlich?

 

 

 

Laut EU-Verordnung und Verbraucherschutz muss es für den Käufer klar erkennbar sein, ob er ein Bioprodukt kauft oder nicht. Für jedes Bioprodukt herrscht in der EU eine Kennzeichnungspflicht auf dem Etikett , das die Öko-Kontrollstelle angibt, bei der es geprüft wurde. Bei loser Ware wie Obst und Gemüse stehen diese Angaben in den Warenbegleitpapieren. Die Kennzeichnungspflicht soll sicherstellen, das konventionelle und biologisch hergestellte Lebensmittel klar unterschieden werden können. Was auf dem Papier eindeutig ist, sieht man der Gurke im Supermarktregal nicht an. Hier kommt das Plastik ins Spiel, denn Supermärkte, die konventionelle und biologische Lebensmittel verkaufen, wollen sicherstellen, dass Bio auch wirklich Bio ist. Konventionelle Ware darf nicht aus Versehen im Bioregal landen, also entschied sich der Handel für das einschweißen in Plastik, das damit deutlich macht: Diese Gurke ist eine Biogurke. Auch wenn ein Kunde sich am Regal spontan anders entscheidet und die Gurke tauscht, bleibt die Unterscheidung klar erkennbar. Einerseits für den Kunden, andererseits für den Kassierer. 

Auch der Transport spielt eine Rolle, denn längst kommen viele Bioprodukte aus dem Ausland. Dabei durchlaufen Gurke, Lauch und Brokkoli verschiedene Stationen, werden verpackt umgepackt, aus Kisten entnommen und in Regale gelegt. Alternativen zur Plastikverpackung haben sich laut Einzelhandel dabei nicht bewährt, waren nicht widerstandsfähig genug, wurden beschädigt oder gingen verloren.

Auch die Kundenwünsche nach makellosem, frischem Obst und Gemüse bedingen die Kunststoffverpackung, denn das Plastik schützt die Produkte, hält sie besser frisch und sorgt für ein hübsches Aussehen. So kann trotz langer Transportwege sichergestellt werden, dass die Erwartungen im Laden erfüllt werden. Das gilt auch für konventionelle Produkte: Verdellte Äpfel und angekratzte Zucchini bleiben im Regal liegen. Rucola-Salat ohne Plastikverpackung würde bereits am Abend die Blätter schlapp hängen lassen, nicht mehr gekauft oder unter Beschwerden zurückgebracht werden. Aber die Ansprüche des Kunden gehen noch weiter. Er verlangt nicht nur perfekte, sondern auch sterile Ware, die nicht bereits von fremden Fingern angefasst wurde. Deshalb kaufen Kunden verpackte Ware lieber als unverpackte, so der Einzelhandel, und nennt als Beispiele Champignons, Paprika oder Salat. Auch finden sich Berichte, dass sich Kunden über Klebstoff der Aufkleber auf Gemüse beschwerten und der Handel deshalb auf Plastikverpackungen wechselte.

 

 

Was ist mit Alternativen?

Alternativlösungen wie Banderole, Aufkleber oder Netze sind nicht für alle Produkte geeignet. Bei Bananen wurde eine Laser-Kennzeichnung auf der Schale getestet, für Gurken ist diese Methode jedoch nicht umsetzbar. Auch Biokunststoffe kommen eher selten zum Einsatz, da er die Ware nicht ausreichend Schützt. Hinzu kommt, dass Bioplastik trotz des Namens längst nicht nachhaltig und nicht immer biologisch abbaubar ist. Für die Erzeugung braucht es Landflächen, Dünger und häufig Pestizide. Damit steht Bioplastik in direkter Konkurrenz zur Nahrungsmittel- und Futtermittelproduktion. 

Die Frage ist auch: Ist es besser, statt der Biogurke im Plastik die konventionelle Gurke ohne Plastik zu kaufen? Bedenken sollte man hier, das der konventionelle Anbau den Boden, die Flora und die Fauna durch Pestizide belastet. Biologische Lebensmittel sind nach Studien des Ökomonitorings Baden-Württemberg gesünder und deutlich weniger mit Schadstoffen belastet. 

 

 

Was kannst du tun?

  • Kaufe unverpacktes Bio-Obst, Bio-Gemüse und Bio-Kräuter. Das gibt es in Hofläden, auf Wochenmärkten oder in Biosupermärkten, in denen nur Bioprodukte verkauft werden. 
  • Verzichte auf extra Plastikbeutel. Obst und Gemüse sind durch ihre natürliche Schale bereits verpackt. Und zu Hause putzt, wäschst und kochst du die Ware sowieso. Warum also nicht einfach Karotten, Paprika, Tomaten oder Äpfel lose aufs Band legen und bei jedem Einkauf Plastiktüten sparen?
  • Entscheide dich für lose Einzelware statt für Plastikfolie oder Plastiknetz. Diese Wahl hast du auch bei Obst und Gemüse im Supermarkt, z.B. bei Zitronen, Limetten, Tomaten, Karotten, Kartoffeln oder Zwiebeln.
  • Verwende alte Zeitungen als Verpackungstüten für Obst und Gemüse. Falt- Anleitungen findest du ganz leicht im Internet.
  • Pflanze selbst Kräuter auf deinem Balkon, der Fensterbank oder im Garten an. Topfkräuter aus dem Supermarkt, solltest du in einen größeren Topf von mindestens 20 cm Durchmesser umpflanzen, denn so gedeihen sie besser und halten länger.
  • Überlege dir auch für andere Produkte plastikfreie Alternativen. Milch, Sahne, Joghurt, Öl, Essig oder Ketchup kann man auch in Glasflaschen kaufen.

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