Bienen - Das Wunder der Natur / Teil 1

Eine Biene ist ein Genie, doch viele Bienen sind ein Wunder der Natur. In dieser Bienen-Reihe gibt es ein paar gut gemeinte Fingerzeige zum Umgang mit jenen Insekten, die wir schmerzlich vermissen werden, wenn wir künftig nicht gut auf sie achtgeben.

Ratschlag Nummer 1: Lerne die Bienen einfach etwas besser kennen. Der Besucher von Wald und Flur begegnet fliegenden Insekten und reagiert oft mit Furcht und Ekel. Dabei interessieren sich Bienen und Wespen in aller Regel nicht für uns. Sie haben Besseres zu tun, und nur eine geringe Anzahl der Arten kann überhaupt stechen - und das nur, wenn man sie stört oder hysterisch reagiert. Doch das Unwissen ist groß, selbst bei vielen Imkern. Die kennen Ameisen, Wachsmotten Bücherskorpione nur als Schädlinge. Doch welche Haustierfunktion diese Tiere haben und wie die einzelnen Organismen oft auf nützliche Art kooperieren, darüber ist das Wissen gering.

Wildbienen etwa teilen ihre Baumhöhle freundschaftlich mit Ameisen. Diese stehlen nämlich keinen Honig, sondern entsorgen am Höhlenboden liegende tote Bienen - die klassische Symbiose. Wachsmotten wiederum zerstören alte Waben und fungieren damit in freier Wildbahn als Hygienepolizei. Und der Bücherskorpion lädt sich gern bei im Wald vergessenen Völkern ein. Seine Leibspeise? Pro Tag bis zu zehn Varroamilben, der Bienenfeind Nummer ein. Dieser 1,5 mm große, aus Asien eingeschleppte Krankheitsüberträger nistet sich in die verdeckelte Brut ein, deformiert die Bienen und überträgt Viren. Die durchschnittliche Lebensdauer einer befallenen Biene: drei Tage, während sonst selbst Sommerbienen mindestens fünf Wochen alt werden. 

Ist die Varroamilbe tatsächlich der Todfeind der Biene? Gelernte Imker bejahen diese Frage grimmig, tatsächlich ist in Europa so gut wie jedes Volk befallen. Doch die Ausbreitung des Parasiten hängt vor allem damit zusammen, dass er in der konventionellen Imkerei paradiesische Bedingungen vorfindet. Besonders anfällig ist die hierzulande gebräuchliche Art der Honigbiene, die Carnica. Andere Rassen wie die kleinere, aggressivere Buckfast können sich besser schützen. Mit der haben Imker, die viel Geld in Hochleistungsreinzucht-Königinnen der Carnica investieren, aber keine Freude: Bei der Vermischung sinkt der Ertrag, und das Volk sticht, sobald man den Stock öffnet. Aus wissenschaftlicher Sicht spricht jedoch "gar nichts" gegen die Buckfast-Haltung, so Verhaltensforscher und Bienenspezialist Jürgen Tautz (Uni Würzburg). Und gibt damit die neue Richtung vor: Der Forschung genauer zuzuhören. Kreisläufe besser verstehen lernen. Die Biene überlebt seit Millionen Jahren: Vielleicht entstehen viele Probleme erst dadurch, dass der Mensch es zu gut mit ihr meint.

Quelle: Terra Mater

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